Die erste Wanderfahrt, die etwas andere Fahrt, der etwas andere Bericht...

| Wanderrudern

Unter fachkundiger Leitung von Andreas Fischer und Klaus Huth erkundete eine Gruppe von Ruder-Anfängern des vergangenen Jahres unser Ruderrevier. Hier ist der Bericht von Björn Haase.

Bericht und Fotos von Björn Haase

Mit dem Ruderkurs für Erwachsene im letzten Jahr ging es für die meisten von uns im RaB los. Da waren wir noch die Anfänger. Die ersten Begegnungen mit dem Ruderboot sind also noch gar nicht so lange her. Der erste, skeptische Blick auf ein Ruderboot aus der Nähe, der Rollsitz, die Dolle, das Stemmbrett, die Skulls, Backboard, Steuerboard... Viele verwirrende Begriffe, die für uns heute selbstverständlich sind. Die erste „Sitzprobe“, die ersten Ruderschläge und viele für uns unbekannte Kommandos von unseren Trainern Andreas, Klaus, Katrin und Ellen haben uns den Weg geebnet, das Rudern zu erlernen. Nachdem wir im Anfängerkurs viele Krebse gefangen hatten ging es mit der Klubregatta, einer herrlichen Sommersaison mit vielen tollen Rudertagen und mit der Nikolausregatta weiter. Danach haben sich die Meisten von uns – aus Respekt vor der Kälte – in den Winterschlaf zurückgezogen.

Im März – wir hatten noch nicht wieder mit dem Rudern anfangen - erhielten wir eine Mail von Klaus und Dodo mit der Frage, ob nicht ein paar von uns Anfängern an der Teilnahme einer zweitägigen Wandefahrt auf der Lahn interessiert sind. Natürlich hatte Klaus uns auch während der Ruderausbildung schon von den Fahrten vorgeschwärmt und immer mal wieder berichtet. Das klang alles sehr spannend aber so weit fühlten wir uns noch nicht. Erst im April sind wir nach und nach aus unseren Löchern gekrochen und haben uns dank Gruppendynamik und WhatsApp in Schwung gebracht. Wir hatten über den Winter nichts wirklich verlernt, die ersten Schläge waren etwas unkoordiniert aber Dank strenger Aufsicht von Andreas ging es nach ein paar Fahrten zum TVK auch flott Richtung Theodor-Heuss-Brücke. Hin- und zurück, also knapp 15 km.

Im Mai waren dann die routinierten Ruderer auf einer Wanderfahrt in Venedig, parallel dazu war eine Tageswanderfahrt nach Steele geplant. Obwohl Steele nicht so weit von uns entfernt ist war von keiner von uns dabei und die Fahrt auch kein wirkliches Thema bei uns „Anfängern“. Bei Vielen war das Pfingstwochenende einfach mit Freunden & Familie abseits des Rudern verplant. Und wir hatten auch Zweifel, ob die Strecke nicht doch zu weit ist.

Ende Mai haben Andreas und ich uns bei einem Kaffee über das Thema Wanderfahrt unterhalten und schnell gab es die Idee eine Tour unter den Anfängern nach Essen-Steele (ca. 30 km) zu organisieren. Die Gewissheit, dass wir alle noch Anfänger sind, sollte uns die Angst nehmen, ein neues Kapitel in unserem Ruderleben aufzuschlagen. Dank Doodle war eine Umfrage schnell kreiert und per WhatsApp an alle verteilt. Kurz darauf war klar, dass es gelingen würde zwei Boote am 19. Juni voll zu bekommen. Die Gruppendynamik hatte funktioniert. Wir mussten nur noch Klaus gewinnen, der uns mit seiner Erfahrung begleiten sollte. Es wurde ein Aushang im Bootshaus gemacht und Horst-Werner informiert. Zum Glück bot er an, ein Boot als Obmann zu übernehmen. Durch den Aushang konnten wir noch ein paar erfahrene Ruderinnen und Ruderer gewinnen, sodass wir tatsächlich vier Vierer voll bekommen sollten.

Wanderfahrt: Fahnen? Seile? Enterhaken? Kielschwein?

Am Sonntag, 19. Juni sollte dann um 9.30 Uhr abgelegt werden. Diese Uhrzeit an einem Sonntag ist für einige schon der Horror, aber 9:30 Uhr ablegen bedeutet natürlich, dass bis dahin die Boote vorbereitet, alle zu Wasser gelassen und die eigenen Sachen verladen sind. Bei einer Wanderfahrt dauert etwas länger, da noch mehr zu tun:

Klaus klärte uns erstmal über die Fahnen, Seile und Enterhaken auf. Die Fahnen sind einfach Tradition, sie gehören zu jeder Wanderfahrt dazu. Die Seile und Enterhaken werden für das Treideln – dazu später mehr - durch die Bootsrutsche benötigt.

Nachdem die Boote vorbereitet und alle bereit waren stellte sich heraus: Wir waren nicht 20, sondern 21 Ruderbegeisterte. Somit kam für uns wieder etwas Neues ins Spiel, das Kielschwein. Wir erfuhren, dass man als Kielschwein beim Rudern eine zusätzliche Person bezeichnet. Diese sitzt auf dem Boden des Bootes. Dass das unbequem ist, war auch uns Anfängern sofort klar. Von daher wurde neben drei voll besetzten Vierern (Alte Rübensau, Turmag, A. Hemmer) der Sechser (Vera Winkels) unterbesetzt eingeplant.

Zwischenzeitlich war bereits 10:00 Uhr und es war allein der Vierer mit den erfahrenen Ruderern im Wasser und ruderte zur Überbrückung eine Runde zum Wehr. Wir sind, nachdem wir unseren Vierer zu Wasser gelassen und die Dollen und Stemmbretter gestellt haben, ohne zu warten direkt los Richtung Kupferdreh zum TVK gerudert. Wir wollten schließlich auch noch am gleichen Tag zurückkommen. Am TVK haben wir Möglichkeit genutzt, erstmalig den Steuermann zu wechseln und auf den Rest der Truppe zu warten. Es ging direkt weiter unter der Kampmannsbrücke und der Theodor-Heuss-Brücke in das für uns unbekannte Terrain.

Das unbekannte Terrain

Hinter der Theodor-Heuss-Brücke war das Gebiet wundervoll idyllisch. Durch die alte Schleuse an der Roten Mühle ging es an der Zeche Heinrich vorbei stromaufwärts Richtung Spillenburger Wehr in Essen-Überruhr. Hier kamen dann die Enterhaken zum Einsatz, mit den Haken konnten wir das Boot einfach an die etwas höher liegende Wehrmauer ziehen und aussteigen. Vor uns lang nun die Wasserrutsche. Eine Ampel signalisierte, dass aktuell das Einfahren nicht möglich war. Auch für uns Anfänger war ohne die Ampel klar, dass aktuell die Rutsche kein Wasser hatte. Der erste zog das von der Ampel hängende Seil, das Tor oberhalb des Wehres öffnete sich und Wasser strömte die Rutsche hinunter. Jetzt mussten wir alle ganz flott sein und schnell auf die Weisungen unseres Obmanns reagieren. Bis auf einen Skull wurden alle anderen längs ins Boot gelegt. Mit Hilfe der beiden befestigten Seile am Bug und Heck zogen wir das Boot parallel zu dem kleinen Fußweg am Wehr durch die Wasserrutsche hoch. Mit dem einen Skull wurde das Boot, soweit möglich, mittig in der Rutsche gehalten, damit die Ausleger an den Wänden der Rutsche keinen Schaden nahmen. In wenigen Minuten war dieses Erlebnis vorbei. Oben angekommen mussten die Skulls wieder befestigt werden. Außerdem gab es für uns eine kleine Überraschung: Klaus der Obmann unseres Bootes hatte eine Flasche Sekt samt Bechern mitgebracht! Auf das gelungene Manöver wurde angestoßen und es ging weiter Richtung Ziel.

Vorbei am Steeler-Ruderverein ging es - zwecks Erreichen der 30km Marke - zum Eingang des Holteyer Hafens in Essen-Überruhr-Holthausen. Nach der mehr oder weniger gekonnten Wende ging es kurz zurück zum Steeler-Ruderverein, bei dem wir uns mit der mitgebrachten Verpflegung und frisch gezapftem Bier aus der dortigen Klubgastronomie Erholung verschafften. Das erste Fazit war ausschließlich positiv, die Strecke außerhalb unseres „Heimatrevieres“ war reizvoll und lenkte uns von der Länge der Strecke ab. Für Keinen war es bisher zu viel. Jeder von uns war überrascht, so schnell angekommen zu sein. Wir hatten eine deutlich längere Strecke erwartet. Nach einer knappen Stunde Pause ging es wieder zurück zum Klub. Auch hier zog sich die Strecke außerhalb des Baldeneysees nicht, sondern zeigte aus der anderen Perspektive neue Reize. Einzig und allein der uns mittlerweile gut bekannte Heimatsee zog sich auf die letzten Kilometer - wie immer.

Am Bootshaus angekommen wurden die Boote wie immer gereinigt, die Skulls sowie die anderen Utensilien verstaut. Danach ging es auf die Terrasse. Extra für uns „Wanderfahrer“ hatte die Klubgastronomie auch am Sonntagnachmittag noch offen und versorgte uns mit Kuchen und kühlen Getränken. So konnten wir das gemeinsam Erlebte nochmal aus den unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Boote besprechen. Da jeder von uns von der Fahrt begeistert war, wurde beschlossen eine neue Fahrt zu planen.

Wie schaut es am Tag nach der Wanderfahrt bei den einzelnen Teilnehmern aus? Ein paar Blasen an den Händen sind nichts Neues, jedoch die Rückmeldung in unserer WhatsApp-Gruppe zeigte, dass alle ohne größere Blessuren die Fahrt überstanden haben. Von daher kann man so eine Fahrt auch den Anfängern dieses Jahres empfehlen!

Wie geht es weiter?

Diesmal rudern wir natürlich in die andere Richtung. Die Strecke geht über Essen-Werdenund Essen-Kettwig nach Mülheim zur Mülheimer Ruder-Gesellschaft, auch diesmal sind es wieder ca. 30 km. Mittels einer neuen Doodle-Umfrage wurde bereits der Termin in unserer „Anfängergruppe“ ermittelt. Die neue Fahrt ist für den 14. August, wieder ein Sonntag, aber zu einer für uns etwas angenehmeren Uhrzeit geplant. Treffen ist 10:30 Uhr, Abfahrt 11:00 Uhr!

 

 

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