RaB/RC Witten - eine märchenhafte Weser-Wanderfahrt

| Wanderrudern

"Ruhr on Tour" steht auf den Trikots und ist zugleich das Motto einer Gruppe von Ruderinnen und Ruderern aus Essen und Witten, die sich seit 1997 am Ende des Sommers zu einer 2-Tage-Ruderwanderfahrt zusammenfindet.

 

Bericht von Stephan von Petersdorff-Campen zur Weser-Wanderfahrt vom 21. bis 24. August 2014

"Ruhr on Tour" steht auf den Trikots und ist zugleich das Motto einer Gruppe von Ruderinnen und Ruderern der beiden Vereine Ruderklub am Baldeneysee und Ruderclub-Witten, die sich seit 1997 am Ende des Sommers zu einer im Wesentlichen von Volker Grabow (RC Witten; jetzt auch RaB) und Jörg "Guy" Pfeffermann (RaB) vorbereiteten 2-Tage-Ruderwanderfahrt zusammenfindet.

 

Für 2014 hatte man einen gut 100km langen Abschnitt der oberen Weser zwischen dem Örtchen Bodenfelde und der Kreisstadt Hameln ausgesucht. Hier windet sich der Fluss schleusenfrei durch eine abwechslungsreiche und geschichtenträchtige Landschaft mit Orten wie Polle, wo Aschenputtel einst zu ihrem Prinzen fand, und Bodenwerder, wo der Baron von Münchhausen seine Lügengeschichten erzählte, bis nach Hameln, wo einmal ein wundersam gekleideter Fremder den Nachwuchs der Stadt entführte (geschichtlich verbürgt), nachdem man ihm den versprochenen Lohn für die Befreiung Hamelns von einer Rattenplage vorenthalten hatte (erfunden).

In diesem Jahr wurden 3 vom RaB gestellte Gig-Vierer besetzt. Vom zentral am Rande der Fachwerk-Altstadt von Hameln gelegenen Hotel ging es am Freitag morgen in das verlassen liegende Bodenfelde, wo die Boote aufgeriggert und an einem der vielen Stege zu Wasser gelassen wurde, die entlang der Weser bis Hameln installiert sind und das Wanderrudern und -paddeln sehr bequem machen. Entgegen Besorgnis erregender Vorhersagen schien die Sonne.

Nach den ersten 25km wurden bei einem Picknick auf dem Gelände des Wassersportvereins Beverungen mitgebrachte Köstlichkeiten ausgetauscht und Anne zum Geburtstag gesungen. Auf der etwa gleich langen zweiten Etappe bis zum RV Holzminden, vorbei an Fürstenberg (Porzellanmanufaktur) und Höxter (Kloster Corvey), klappte es mit dem Rudern der Boote im Pulk schon besser, vielleicht auch aufgrund gewisser Sättigungs- oder Ermüdungserscheinungen.

Für Samstag waren nun aber mit höchster Wahrscheinlichkeit Regen und Sturm angesagt worden. Erneut zu Unrecht, denn auch an diesem Tag auf der landschaftlich wohl schönsten Strecke von Holzminden bis Hameln machte uns nicht einziger Regentropfen nass. Schwarzen Unwetterwolken sind wir in neu kombinierten Bootsbesetzungen einfach davongerudert und wurden dafür zwischendurch immer wieder auch mit Sonnenschein belohnt. Als es dann doch einmal etwas regnete, saßen wir gerade im Hotel Goldener Anker in Bodenwerder im - von durchschwitzter Kleidung einmal abgesehen - Trockenen, auch weil der Kellner mit unseren massenhaften Getränkebestellungen erst einmal überfordert war. In dem Séparée, das man uns wohlwollend zugewiesen und dort dem Blick der doch etwas hotelmässiger gekleideten sonstigen Gäste entzogen hatte, prangte ein Bonmot von Oscar Wilde an der Wand: "Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen." Er animierte den einen oder die andere von uns, sich nicht länger gegen das Verlangen nach einem mit Sahne, Vanilleeis und Eierlikör gefüllten Windbeutel zu wehren.

Auf dem letzten Stück begegneten wir noch einmal den 3 etwas betagter besetzten Vierern des Düsseldorfer RV von 1880, die uns zuvor für unsere Hilfe beim Tragen der Boote mit der Bemerkung gedankt hatten, wie schön doch "betreutes Rudern" im Alter sein könne. Kurz vor Hameln passierten wir das AKW Grohnde, das mit seinem moscheehaften Kuppelbau und den gigantischen Kühltürmen wie vom Himmel gefallen in leerer Landschaft steht. Das Wasser der Weser ist hier wirklich wärmer.

Am Bootshaus des RV "Weser" Hameln wurden letzten Reste von Barbaras (Witten) Schoko-Banane-Kuchen verteilt und ruck-zuck die Boote verladen. Die meisten von uns blieben noch bis zum Sonntag und liessen nach einem wohltuenden Saunagang über den Dächern der Stadt eine von Ruder-und Wetterglück, harmonischer Kameradschaft und mit viel fröhlichem Lachen gefüllte Zeit in der alten Sparkasse ausklingen, die man zu einem empfehlenswerten italienischen Restaurant umgebaut hat.

 

Und doch gab es ein kleines Bedauern: die terminliche Kollision mit der RaB Klubregatta, auf der einige von uns zumindest im Generationen-Vierer an den Start gegangen wären. Aber im nächsten Jahr wird es ja wieder eine Klubregatta geben. Und eine "Ruhr on Tour"!

 

 

 

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