Head of the River Race in London

| Mastersrudern

Am 1. April startete für den RaB eine „wild zusammen gewürfelte“ Mannschaft im Rennachter auf dem Veteranen Head in London. Auf einer abendlichen Nachbesprechung Ende Oktober des vergangenen Jahres hatte sich nach dem mittwöchlichen Hanteltraining an der Theke des RaB spontan eine Achtermannschaft gebildet, die das Abenteuer Head of the River 2007 . . .

Regattabericht vom 01. April 2007

Bildergalerie Head of the River Race 2007 in London

 

 

 

 

 

 

 

Männer-Achter von links: Dirk Müller-Böhm (EWRC), Jürgen Böning, Ulli Esser, Karl-Heinz Kroll, Stm. Stephan Boer (WSV Mülheim), Gerhard Craemer (EWRC), Otto Velten (Steeler Ruderverein), Horst Singer, Jochen Wichelhaus

 

 

 

Am 1. April startete für den RaB eine „wild zusammen gewürfelte“ Mannschaft im Rennachter auf dem Veteranen Head in London. Auf einer abendlichen Nachbesprechung Ende Oktober des vergangenen Jahres hatte sich nach dem mittwöchlichen Hanteltraining an der Theke des RaB spontan eine Achtermannschaft gebildet, die das Abenteuer Head of the River 2007 in Angriff nehmen wollte. Nachdem die Truppe anfangs noch etwas belächelt wurde, stellte sich sehr schnell heraus, dass alle mit Feuer und Flamme bei der Sache waren.

Alle angesetzten Trainingseinheiten fanden auch tatsächlich statt, da einerseits auf Grund des milden Winters an jedem Wochenende trainiert werden konnte und andererseits die Mannschaft zum Training auch immer vollzählig erschien, was bei einer Achtermannschaft, wenn keine Ersatzleute vorhanden sind, beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. Anfang Februar sowie Anfang März musste die Mannschaft durch das Ausscheiden zweier Ruderer kurzfristig noch einmal umgebildet werden, so dass letztlich Horst Singer, Ulrich Esser, Karl-Heinz Kroll, „Altmacher“ Jochen Wichelhaus und Jürgen Böning vom RaB, unterstützt durch Otto Velten vom Steeler Ruderverein, Gerhard Craemer vom EWRC sowie Dirk Müller-Böhm und Steuermann Stephan Boer (beide WSV Mülheim) nach London aufbrachen.

Nach siebenstündiger Auto- und Fährfahrt kam die Truppe, obwohl Otto Velten aus der eigenen Metzgerei für seine Meinung ausreichend Proviant gesorgt hatte, ziemlich ausgehungert in London an. Das wenige Gepäck war schnell im Hotel verräumt, sodass man sofort Essen fassen konnte. Anlässlich der Londoner Preise machte sich eine erste Ernüchterung breit, die zweite folgte unmittelbar, als man sich gegen Mitternacht noch ein letztes Bierchen genehmigen wollte. Die Pubs schließen um 24 Uhr. Dank hervorragender Englischkenntnisse einzelner Crewmitglieder gelang es, an einem Türsteher vorbei auf eine Party einer eigentlich geschlossenen Gesellschaft zu gelangen, auf der sich ein Teil der Mannschaft bis in die frühen Morgenstunden motorisch auf das bevorstehende Rennen vorbereitete.

Wer feiern kann, kann auch rudern – am Samstagmorgen wurde um 10 Uhr das Boot aufgeriggert, um anschließend bei einer ersten Trainingsfahrt die Regattastrecke zu erkunden. Rudern auf der Themse ist schon etwas sehr Spezielles, bedingt durch die Tide ergibt sich zwischen Ebbe und Flut ein Höhenunterschied von etwa fünf und ein Breitenunterschied von etwa 40 Metern. Demzufolge gibt es keine Stege, Ruderer müssen also barfuss, „Weicheier“ mit hohen Gummistiefeln durch das um diese Jahreszeit noch sehr erfrischende Themsewasser waten, um ins Boot steigen zu können. Irgendwann werden die Füße dann auch wieder warm, so dass sich die Mannschaft sich auf die eigentliche Ruderarbeit konzentrieren kann. Wind, Strömung und Gezeiten sind heftig, die Bedingungen somit vom heimischen Baldeneysee grundverschieden. Gegen 12 Uhr musste die Themse bereits wieder geräumt werden, weil der Head in der offenen Klasse anstand. Bei diesem Rennen zeigte sich, was „rowing on the tideway“ tatsächlich bedeuten kann. 420 Achter lagen am Start, bereits nach 40 gestarteten Booten musste das Rennen komplett abgesagt werden, weil sich, bedingt durch das ablaufende Wasser und den dagegen stehenden starken Wind, eine so hohe Welle aufgebaut hatte, dass 20 Achter gesunken waren. Die wenigen Boote, die das Ziel erreichen konnten, waren derart voll Wasser gelaufen, dass die Steuerleute bis zur Brust und die Ruderer mit ihren Rollsitzen im Wasser saßen, ein für die vielen Zuschauer sicherlich spektakuläres, für die Aktiven auf Grund des kalten Wassers eher zweifelhaftes Vergnügen. So mussten auch einige Sportler wegen Unterkühlung ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Angesichts der chaotischen Wasserverhältnisse machte sich unter den RaB’lern die berechtigte Sorge breit, das der Veteranenhead am nächsten Vormittag ebenfalls abgesagt werden könnte, zumal der Wind beständig zunahm. Zur Zerstreuung sollte eine Stadtbesichtigung unternommen werden, doch nach relativ kurzer Zeit stellte sich heraus, dass auch kürzere Fußmärsche nichts für Ruderer sind, also wurde auf direktem Wege der Stadtteil Soho angesteuert, in dem in ausreichender Zahl Restaurants, Pubs und diverse Etablissements zur Verfügung stehen, um nervöse Ruderer auf andere Gedanken zu bringen. Das gelang auch tatsächlich, um so erstaunlicher war es, dass allemann um Mitternacht in ihren (eigenen) Betten lagen, um am nächsten Morgen ausgeschlafen ins Rennen gehen zu können.

Am Sonntag war das Wetter genauso wie am Vortag, blauer Himmel, Sonnenschein aber sehr starker Wind. Diesmal wurde das Rennen jedoch in entgegen gesetzter Richtung gestartet, mit dem auflaufenden Wasser und mit dem Wind. Die Themse war immer noch sehr rau, aber da die Ausleger abgeklebt waren, blieb es im Boot relativ trocken. Auf Grund der äußeren Bedingungen wurde die Strecke auf etwa vier Kilometer verkürzt: gestartet wurde an der Hammersmith Bridge, Ziel war die Chiswick Bridge in Mortlake. 185 Achter lagen am Start, es dauerte 90 Minuten bis alle Boote nach Startnummern sortiert halbwegs ordentlich aufgereiht waren. Entsprechend groß waren Durcheinander und Nervosität, beides wurde durch die Ordnerboote, die mit lauten, aber dafür unverständlichern Kommandos ihrer Aufgabe nachzukommen versuchten, noch verstärkt. Wegen des starken Windes gelang es nicht, alle Boote im Fluss aufzureihen, also musste zumindest ein Teil der Mannschaften versuchen, am Ufer festzumachen. Nachdem der Schlagmann des Achters diesen glücklichen Umstand genutzt hatte, um schnell noch den Frühstückskaffee wieder „wegzubringen“, ging es auch urplötzlich los. Eben noch in relativ ungeordneter Warteposition, war die Mannschaft auf einmal in der Anfahrt auf die Startlinie. Adrenalin schoss in die Blutbahnen der Ruderer und der Achter ging mit hoher Schlagzahl auf die Strecke. Trotz des „Kabbelwassers“ lag das Boot erstaunlich ruhig, alle Ruderer waren hochkonzentriert, Steuermann Stephan Boer hielt die Mannschaft zusammen, duldete keine Schwäche und steuerte den Achter routiniert durch die Wellen. Das Boot lief besser als in jedem Training zuvor und Lohn der Arbeit war ein 46. Platz im Gesamtklassement und ein 11. Platz in der Altersklasse D – ein Ergebnis, mit dem zuvor Niemand gerechnet hatte.

Nach dem Rennen waren sich alle einig: der Head hat ein einzigartiges Flair, ein außergewöhnliches Rudererlebnis, das durch die Masse der startenden Achter, die Aufregung in der Startvorbereitung, die Streckenführung durch London, die besonderen Bedingungen des „tideway“ und nicht zuletzt auch durch das Rahmenprogramm in einer vitalen Weltstadt geprägt ist.

Selbst die übliche Nachbesprechung im Bootshaus des Cygnet RC hatte ihre besondere Note: nachdem die Gastfreundschaft der Londoner Ruderkameraden hinreichend strapaziert und die Biervorräte geleert waren, wollte die Mannschaft noch duschen, um sich für den bevorstehenden Ausklang des Tages in der Londoner Innenstadt ein wenig frisch zu machen. Es kam auch tatsächlich und reichlich Wasser aus den Duschköpfen, doch war dieses mindestens genauso kalt wie das der Themse. Immerhin waren nach dem Duschen alle wieder nüchtern, so dass man sich relativ frisch in das Londoner Nachtleben stürzen konnte. Doch auch die Londoner müssen montags arbeiten, infolgedessen war in Soho gegen Mitternacht nicht mehr viel los. Karl Heinz Kroll hatte zum Glück einen Kasten Stauder Pils aus Deutschland importiert, Jürgen Böning noch eine Havanna im Gepäck, mit der dann der Rauchmelder im Hotelzimmer getestet wurde. Da dieser tatsächlich nicht anschlug, zog sich die Nacht doch noch etwas in die Länge. Otto Velten hat alles fein säuberlich mit seinem Fotohandy dokumentiert.

Bericht: Jürgen Böning

 

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