KOMs und Radkilometer hamstern

| Breitensport

Während der Corona-Zeit steigen viele Trainingsruderer vom Rollsitz auf den Rennrad-Sattel um.

Von Simon Janus

Seit einem Monat ist der Verein geschlossen und das Training der Rennruderabteilung lahm gelegt. Ebenso hat der DRV beschlossen alle Ruderrennen bis Mitte August abzusagen. Darunter fällt die Deutsche Jugendmeisterschaft, worauf sich die Trainingsgruppe bis zu den strengen Maßnahmen vorbereitet hat und gut aufgestellt war. Unser Trainer Thomas schickt uns zwar regelmäßig Trainingspläne, jedoch ist es für viele schwer die richtige Motivation für die eigentlich vorgegebenen Trainingseinheiten zu finden. Somit halten sich viele mit anderen Aktivitäten, wie zum Beispiel Rennradfahren, fit.

Viele Athleten des RaB’s und des ERRV’s haben Rennräder, auf denen nun einige Kilometer runtergefahren werden. Eine beliebte App zur Dokumentation dieser Radfahrten ist „Strava“. Die App ist so ähnlich aufgebaut wie Instagram und Co. , nur dass man statt Bildern oder Videos sich die Radfahrten seiner Freunde angucken kann. 

Durch die abgesagten Regatten fehlt es einigen sich mit anderen messen zu können. Somit findet nun ein virtueller Wettkampf zwischen manchen Essener Ruderern über die App statt. Wer fährt die meisten Kilometer am Stück? Wer die meisten Höhenmeter? Wer das höchste Durchschnittstempo auf einer Tour? Regelmäßig lädt jemand Touren von über 200 Kilometern hoch. So bin ich letzte Woche mit einem Freund vom Etuf zum Biggesee gefahren und habe auf der Runde 212 Kilometer mit 3000 Höhenmeter zurückgelegt. Er ist auch schon Touren mit 250 Kilometern nach Aachen oder Münster gefahren.

Es geht aber noch härter. Der Top-Leichtgewichtsruderer Jason Osborne aus Mainz ist bekannt für besondere Herausforderungen und jagt vielen Profi-Radfahrern Schrecken ein. Er absolviert 400-Kilometer-Radfahrten, bezwingt den Anstieg vom Meeresspiegel zur Spitze des Mount Everest, gemessen in Höhenmetern, auf einer Radfahrt oder fährt 200 Kilometer mit einem Schnitt von 40 km/h.

Daneben gibt es sogenannte Strava-Segmente. Dies sind bestimmte Abschnitte einer Strecke, wie z.B. ein Anstieg oder ein anspruchsvoller Teilabschnitt einer Straße. Wer am schnellsten das Segment bewältigt, wird zum KOM ernannt (King of Mountain). So liegt zum Beispiel der Rekord für die Lerchenstraße vom Baldeneysee zum Stadtwaldplatz bei 2:39 Minuten und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 33,8 km/h (bergauf!).

Zwischen einem TVK‘ler und mir ist ein regelrechter Krieg um einige Segmente entstanden und wir nehmen uns regelmäßig die KOM-Titel ab. Mit meinem Vereinsfreund Luca Schäfer versuche ich regelmäßig die renommiertesten Segmente in Essen wie z.B. den „Esel“ zu erobern. Bei diesem Segment haben über 4000 Leute mitgemacht und Luca ist schon in die Top 10 vorgedrungen. Es werden sogar Maßnahmen wie Windschattenfahren und Flasche ins Gebüsch für weniger Gewicht werfen ergriffen, um so viele km/h wie möglich rauszuholen.

Ich habe für den RaB nun einen Radfahrclub auf Strava erstellt. Dort kann sich jeder eintragen, der ein Strava-Profil hat. Wer seine Radfahrten aufzeichnet, erscheint automatisch in der wöchentlichen Bestenliste, welche nach Kilometerleistung bestimmt wird. 
Wenn die Corona-Maßnahmen wieder gelockert werden und es eine entsprechende Nachfrage gibt, kann ich Termine für Clubradfahrten erstellen. Dort kann man sich dann als Teilnehmer eintragen und wir machen Ausfahrten mit der Gruppe vom RaB aus. Hier der Link zum Club: https://www.strava.com/clubs/552038?utm_source=com.google.android.gm&utm_medium=referral

Ich hoffe dies liest sich nicht zu sehr wie ein Werbeartikel für die App. Ich schreibe diesen Artikel, weil ich es interessant finde, wie man es schafft sich trotz der Corona-Auflagen gegeneinander zu „battlen“ und sportliche Wettkämpfe zwischen den Ruderern nun virtuell stattfinden.

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