Unsere Rennruderer: Was macht eigentlich Jakob?

| Rennrudern

Ein Interview mit unserem mehrfachen Europa- und Weltmeister und Silbermedaillengewinner von Tokio mit dem Deutschlandachter, Jakob Schneider.

Hallo Jakob, schön Dich wiederzusehen. Eigentlich berichtet unsere Serie „Unsere Rennruderer“ ja über aktive Leistungssportler - hast Du denn nach der Olympiade den Leistungssport komplett an den Nagel gehängt, oder willst Du noch einmal angreifen?

Nein, zurück in den Leistungssport bei der Nationalmannschaft gehe ich nicht. Die engen Strukturen haben sicherlich dazu beigetragen, dass ich am Ende mehr erreicht habe, als ich zu Beginn gedacht habe. Aber nach acht Jahren in dem engen Korsett der Trainingsgruppe in Dortmund genieße ich jetzt einfach den neuen Freiraum. Das Rudern und auch der Abschnitt in der Nationalmannschaft waren natürlich ein wichtiger und langer Abschnitt in meinem Leben. Seit meinem zwölften Lebensjahr ist das Rudern mein Lebensmittelpunkt und ein Leben neben dem Rudern gab es da nur sehr eingeschränkt. Von daher ist es schön, jetzt etwas freier zu leben. Das heißt natürlich nicht, dass ich keinen Sport mehr treibe oder nicht mehr rudern gehe. Ich weiß, dass mir Sport körperlich und mental einfach guttut. Aber dafür muss nicht immer an meine Leistungsgrenze gehen. Aktuell ersetze ich Rudern fast eins zu eins mit anderen Sportarten. Jiu-Jitsu macht mir aktuell viel Spaß. Da bin ich drei bis fünf Mal in der Woche aktiv.

Was machst Du noch mit der neu gewonnen Freiheit? Liegt Dein Fokus jetzt auf dem Studium?

Ja, ich studiere ja an der Ruhr Universität Bochum Biologie und PWG (Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, d. Red.) auf Lehramt - Sekundarstufe II. In den vergangenen Jahren ist das Studium aufgrund der Trainingsintensität und der vielen Wettkämpfe verständlicherweise sehr kurz gekommen. Ich konnte zwar zwischendurch etwas lernen, aber eben nicht mit der Intensität und dem Tempo wie gewünscht. Mein Ziel ist es, in absehbarer Zeit das Studium abzuschließen und in meinen Job als Lehrer zu starten.

Kannst Du schon einen Rückblick auf Deine Karriere als Leistungssportler wagen, oder ist es dafür noch etwas zu früh? Gab es Erlebnisse, die Dir nachhaltig in Erinnerung bleiben?

Natürlich ragt der Erfolg bei den Olympischen Spielen in Tokio heraus, auch wenn es an Ende nicht Gold geworden ist und wir die Erwartungshaltung quasi nicht erfüllt haben. Das Rennen war mit dem Schlussspurt schon außergewöhnlich, insbesondere weil ich nach den ersten 1000 Metern nicht wusste, wie ich dieses Rennen bestehen soll.

Neben den Welt- und Europameistertiteln hat der Sprung in die Nationalmannschaft eine sehr große Bedeutung für mich. Das war der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass ich richtig vorne mitfahren kann - das war vorher nicht so klar. Der genaue Moment war 2012 bei der Qualifikation für die Juniorenweltmeisterschaft bei den Deutschen Meisterschaften, bezeichnenderweise in Essen auf dem Baldeneysee. Da bin ich mit meinem späteren Achterkameraden Johannes (Weißenfeld, d. Red.) im Vierer in einem dramatischen Endspurt Erster geworden.

Hast Du noch Kontakt mit Deinen Kameraden aus dem Deutschland Achter?

Mit dem einen mehr, mit dem anderen weniger. Nach einer so einer langen und intensiven Vorbereitung bilden sich natürlich Freundschaften. Wir sehen uns aber auch als Team bei Terminen beispielsweise mit der Sporthilfe oder bei Sponsorenterminen.

Wie beurteilst Du die aktuellen Veränderungen im DRV? Da gab es ja nach den Olympischen Spielen einige personelle Veränderungen. Eine Frage, die unsere Rennruderer interessieren könnte.

Die Mannschaft, die sich mehrere Jahre auf die Spiele in Tokio vorbereitet hat, ist jetzt auseinandergegangen. Einige Jüngere bleiben vielleicht noch am Stützpunkt, um sich auf die Spiele in drei Jahren in Paris vorzubereiten. Diese Umbruchphase ist für den DRV natürlich eine passende Gelegenheit, Trainerpositionen neu zu besetzen. Die neue Mannschaft soll dann ja drei Jahre mit Ihren Bezugspersonen in Ruhe arbeiten können. Aber so viel hat sich ja eigentlich gar nicht geändert. Uwe Bender ist immer noch Trainer am Stützpunkt in Dortmund, hinzugekommen ist mit Sabine Tschäge eine erfahrene und erfolgreiche Trainerin. Sie hat den Leichten Doppelzweier mit Jason Osborne und Jonathan Rommelmann aus Mülheim trainiert, die dann in Tokio Silber gewonnen haben.

Bist Du noch des Öfteren im RaB und hast Du noch Kontakt mit dem Trainer-Team und der Trainingsgruppe?

Ja, natürlich. Ich bin immer wieder mal im Klub unterwegs. Ich würde zum Beispiel auch gerne die ambitionierten Ruderer unterstützen. Am letzten Sonntag hatte ich nach langer Zeit mal wieder einen Rudertermin zu dem Thema mit Thomas (Wichelhaus, d. Red.). Geplant ist, dass ich mit den jungen Leuten im Zweier trainiere und meine Erfahrung weitergebe. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich konditionell noch auf der Höhe bin. Ausdauer baut ja sehr schnell ab. Ansonsten komme ich noch zum Krafttraining zum RaB. Da sehe ich dann auch immer Leute vom Rudern.

Ich habe Dich letztens am RaB in der Umkleide gesehen, da wolltest Du zum Rugby. Wie war's?

Es hat mir Spaß gemacht, aber ich bin dann doch lieber beim Jiu-Jitsu. Nach dem Rugby hatte ich eine Woche Schmerzen.

Du bist ja auch Segler und hast ein Kajütboot am Klub liegen. Es zieht Dich also irgendwie doch auf das Wasser. Ich habe das schöne Gefühl, Du bist noch recht viel beim RaB.

Ja, und es ist gut, dass der RaB so vielfältige Optionen bietet. Segeln zusammen mit Freunden oder mit meiner Freundin macht mir große Freude. Mittelfristig zieht es mich mit dem Segelboot aber nach Holland auf das Ijsselmeer oder auf das Markermeer. Das ist zwar etwas weiter weg, aber es ist zum Segeln nicht so eng, wie auf dem Baldeneysee. Ich möchte auch den Ruderern mit meinen Manövern nicht auf den Wecker gehen (lacht) - ich kann mich noch an einige Auseinandersetzungen mit Seglern erinnern, als ich noch mit dem Ruderboot unterwegs war.

Fährst Du beim Stadtachter im nächsten Jahr wieder mit? So wie es aussieht, können wir Deine Unterstützung gut gebrauchen.

Klar, wenn es mir irgendwie möglich ist – ich habe das geplant.

Was müsste sich Deiner Meinung nach ändern, damit wir wieder die Nummer Eins in Essen werden?

Also, da ist natürlich die Crew entscheidend. Dieses Jahr haben wir Tassilo (von Müller, d. Red.) und Max (Krammenschneider, d. Red.) schmerzlich vermisst. Wir hatten schon darüber nachgedacht, Tassilo aus Oxford einfliegen zu lassen. Aber die Personalsituation ändert sich von Jahr zu Jahr und das ist ja zum Beispiel beim ETUF ähnlich. Dann gewinnt eben mal ein anderer Verein. Der Stadtachter ist natürlich ein hochemotionales Rennen für den Verein. Ich kann aber auch den Thomas verstehen. Er richtet die Trainingspläne für die Junioren in erster Linie an den Deutschen Jugendmeisterschaften oder an den internationalen Wettbewerben aus. Das erwarten die jungen Rennruderer auch zu Recht von Ihm.

Eine Frage, die uns natürlich alle brennend interessiert: Bleibst Du nach dem Studium in der Region und bleibst Du dem RaB verbunden oder zieht es Dich zurück in Deine Heimat nach Baden?

Wenn es beruflich geht, würde ich schon gerne in der Gegend bleiben. Ich lebe ja seit über 10 Jahren im Ruhrgebiet und fühle mich hier und am RaB sehr wohl. Im Übrigen werdet Ihr mich auch gar nicht los – Ihr habt mich ja zum Ehrenmitglied gemacht  ;-)

 

Das Interview führte Olaf Koch

 

zurück