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Der Ruderklub am Baldeneysee in Corona-Zeiten

Innenansichten eines Essener Sportvereins

Herr Singer, der RaB ist der größte Essener Ruderklub mit ca. 500 Mitgliedern. Sie sind ehemaliger Rennruderer und in der Ruderausbildung im Verein engagiert, seit kurzem sind Sie Vorstandsmitglied. Wie hat sich die Coronakrise bisher auf die sportlichen Aktivitäten und das Vereinsleben ausgewirkt?

Beim ersten Lockdown im letzten Frühjahr konnten wir ja bis Mai gar nicht rudern und es gab natürlich eine große Unsicherheit, wie es mit dem Vereinsleben weitergeht. Zum Glück haben sich die Inzidenzzahlen dann günstig entwickelt und wir konnten das Bootshaus Ende Mai wieder für den allgemeinen Ruderbetrieb öffnen. Das sonst lebendige Vereinsleben hat natürlich besonders gelitten – viele schöne Veranstaltungen wie das Anrudern auf dem Baldeneysee, das Osterfeuer und unsere Jubiläumsfeier anlässlich unseres 100jährigen Bestehens mussten abgesagt werden. Zurzeit dürfen wir nur in Kleinbooten rudern, was bei den vielen aktiven Mitgliedern zu Engpässen führt.

Wie haben denn die Mitglieder letztes Jahr auf das Ruderverbot vom Landesverband reagiert?

Die meisten haben mit Verständnis reagiert, viele hatten natürlich auch Angst vor einer Ansteckung. Man wusste ja noch recht wenig über das neuartige Virus. Viele haben die Entscheidung aber auch nicht nachvollziehen können, weil die Infektionsgefahr beim Rudern im Freien und bei Wind auf dem See recht klein ist.

Sind denn, ähnlich wie bei den Fitnessstudios, viele Mitglieder aus dem RaB ausgetreten? Die Mitgliedschaft ist ja auch mit einem finanziellen Beitrag verbunden?

Ja, wir hatten natürlich auch Austritte zu verkraften. Es war allerdings nicht so dramatisch wie bei den kommerziellen Anbietern – weniger als 10% unserer Mitglieder sind im letzten Jahr aus dem Verein ausgetreten. Davon ist aber nur ein geringer Teil auf das Ruderverbot zurückzuführen, sondern hat mit natürlicher Fluktuation wie Umzug, Alter oder Gesundheit zu tun. Die ideelle Bindung an den Verein, in dem man viele Jahre Sport getrieben und Freunde gewonnen hat, überwiegt dann doch. Außerdem wollen die meisten Ruderer Ihren Sport in Ihrem Verein auch weiter betreiben.

Ist es Ihnen unter den schwierigen Bedingungen gelungen, neue Mitglieder zu gewinnen?

Wir waren in den letzten Jahren schon recht erfolgreich mit unseren Anfängerkursen für Erwachsene. Das Konzept hatten wir noch einmal verfeinert, so dass Interessenten im Sommer ihre Trainingszeiten recht flexibel wählen konnten. Mit dem neuen Konzept konnten wir den Mitgliederschwund mehr als kompensieren. Auch im Kinder- und Jugendbereich konnten wir mit unsrer Ausbildung punkten. Nach dem ersten Lockdown war Corona ja noch recht präsent und viele fanden den Sport im Freien aufgrund der geringen Ansteckungsgefahr attraktiv. Daneben hat das Rudern als Kraft-Ausdauer-Sport ja noch viele positive gesundheitliche Effekte - gerade nach dem Bewegungsmangel im Homeoffice.

Apropos Homeoffice – wie haben sie Kontakt zu den Mitgliedern gehalten? Hat sich da etwas verändert?

Viele persönliche und zufällige Begegnungen sind weggefallen. Geholfen hat uns das Internet, das auch schon vorher für die Kommunikation mit den Mitgliedern genutzt haben mit unserer Website oder unserem Newsletter. Durch die Coronakrise wurden die digitalen Dienste im Klub aber noch einmal ganz anders genutzt. Beispiele sind unser digitaler Ruderkalender, in dem sich die Ruderfreunde verabreden und Boote online reservieren können oder unsere digitale Mitgliederversammlung im Februar. So konnten wir die jährliche Hauptversammlung mit der entsprechenden Veranstaltungstechnik völlig ordnungsgemäß abhalten und auch die Vorstandswahlen digital durchführen. Die Beteilung auch unter den Älteren war sehr groß.

Wie ist es dem Verein sportlich ergangen - der RaB ist ja auch bekannt für seine Erfolge im Rennrudern?

Viele Regatten, auf denen wir mit unseren Rennruderern regelmäßig vertreten sind, mussten abgesagt werden. Das ist für die Leistungssportler schmerzhaft, weil Sie sich gezielt auf die Wettbewerbe vorbereiten. Auf den wenigen Regatten wie den Deutschen Sprintmeisterschaften waren unsere Ruderer sehr erfolgreich. Bei den Europameisterschaften in Polen konnte Jakob Schneider zum vierten Mal in Folge mit dem Deutschlandachter gewinnen. Wir hoffen, dass er auch bei Olympia erfolgreich abschneidet.

Wie gehen Sie aktuell mit den Einschränkungen um und wie ist ihre Aussicht für dieses Jahr – die Rudersaison hat ja bereits begonnen?

Bis Mai durften wir nur mit Einern und Zweiern rudern. Seitdem wir wieder mit größeren Booten rudern dürfen, haben zuerst mit den Anfängern aus dem letzten Jahr einen Auffrischungskurs durchgeführt, weil sie im Winter in den Kleinbooten nicht rudern konnten, und führen jetzt auch neue Anfängerkurse für Erwachsene durch. Die Mitglieder freuen sich natürlich auch über die neuen Freiheiten und nehmen sie rege wahr.